Pressespiegel HAZ vom 19.02.2010


... aus dem Rat

Der Rat verhängt Schülerstopp

Der Rat der Gemeinde Wennigsen hat einen Schülerstopp für die Sophie-Scholl-Gesamtschule verfügt. Die Gesamtschule darf künftig nicht mehr als 180 Schüler pro Jahrgang – verteilt auf sechs Klassen – aufnehmen. von Michael Hemme wennigsen. Die Fraktionen von SPD, CDU und FDP hatten den Antrag gemeinsam formuliert – und stimmten am Donnerstagabend im Bürgersaal des Rathauses auch geschlossen für die Beschränkung der Aufnahmekapazität. Als „vorsorglich-fürsorglich“ begründete Hartmut Vollmer (SPD) den Schülerstopp. Ihn beunruhigten vor allem die bestehenden Wanderklassen. Dieser Zustand hatte vor acht Jahren zu massiven Protesten von Eltern und Lehrern geführt, woraufhin die Schule um Containeranbauten erweitert wurde. „In eine solche Notlage möchten wir nicht wieder geraten“, sagte Vollmer. Er wies dann auf den Erweiterungsbau für die Ganztagsbetreuung hin, der in diesem Jahr errichtet wird. „Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand“, sagte er. Das zeige deutlich, dass der Rat mit der Schule an einem Strang ziehe. Derzeit liege die Schülerzahl an der KGS bei 947. Bei gleich bleibendem Wachstum könnten in den nächsten Jahren 1050 und sogar 1100 Schüler erreicht werden, befürchtet Eike Werner (CDU). „Das würde die Schule sprengen“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Allein für die Pflege der Bausubstanz müsse die Gemeinde jährlich einen sechsstelligen Betrag investieren. Die Schule solle mehr auf Qualität als auf Quantität setzen. Hans Joachim Reeb (FDP) bezeichnet die Schülerbegrenzung auf 180 pro neuen Jahrgang als moderat. „Das wird der Schule nicht schaden“, sagte er. Der parteilose Bürgermeister Christoph Meineke sowie die Fraktion der Grünen stimmten gegen die Reglementierung. Die Schülerbegrenzung geschehe ohne Not und schade mehr, als dass sie nutze.

Bürgermeister: Die Klassen werden größer

Schulleitung sowie Schüler- und Lehrervertreter zeigten sich überrascht. Sie hatten gehofft, dass die Ratsmehrheit aus SPD, CDU und FDP ihren bereits im vergangenen Jahr gestellten Antrag zurückziehen wird. Sie hatten gehofft, dass ihre Argumente überzeugen. „Aber sie haben sich als informations- und beratungsresistent gezeigt“, sagte Angelika Schwarzer-Riemer (Grüne) an die Adresse der drei übrigen Ratsfraktionen.

„Wir sehen die Vielseitigkeit der Schule in Gefahr“, erklärte Schülersprecher und Jugendparlamentsmitglied Alexander Müller. Bürgermeister Christoph Meineke erläuterte das geräuschlose Miteinander der Klassen an der KGS. Fünf von 39 Klassenräumen seien doppelt belegt. 40 Prozent der Unterrichtszeit entfiele jedoch auf Fachräume, sodass es nur zu geringfügigen Überschneidungen komme. „Jede Klasse hat ihre eigene Ecke und ihre eigene Wand“, sagte Meineke. Mit sieben Klassen im fünften und sechsten Jahrgang werde die Zahl von 26 Schülern pro Klasse erreicht. Bei einer Begrenzung von 180 Schülern in sechs Klassen würde die Klassenstärke auf 30 anwachsen und die Lehrerstundenzahl sinken. „Wir sind froh, dass zurzeit alles in guten Bahnen läuft“, heißt es in einer Erklärung der Schulelternratsvorsitzenden Ina Schulz nach der Sitzung. „Die Eltern der KGS fühlen sich verunsichert und im Stich gelassen“, fährt sie in ihrer Stellungnahme fort und fragt: „Wo steuert die Bildungspolitik in Wennigsen hin?“ mm

 



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