Bericht über die Veranstaltung am 28.04.2010


Wissen, was man isst

 

"Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben."
(Carlo Petrini, "Buono, pulito e giusto")

„Essen Sie Mahlzeiten!“

Lebensmitteltechnologe Burkhard Ahlert fordert bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

Ein Beitrag von Marianne Walden

Noch eben schnell an der Tankstelle halten und sich eines der zerknautschten Brötchen aus der Glastheke geben lassen. Zwischen Zapfsäule und Auto der erste Biss – und runter damit. „Das ist ja wohl das Perverseste, was ich heutzutage beobachte. Menschen, die in Eile und Hektik etwas Essen und sich nicht mehr fragen, wo die Salami auf ihrem Brötchen überhaupt herkommt“. Burkhard Ahlert, Professor für Lebensmitteltechnologie, ist Verfechter der „Slow Food Bewegung“. Den gut 60 Zuhörern im Bürgersaal rät er: „Essen Sie Mahlzeiten! Essen bedeutet, in Gemeinschaft zu essen und miteinander zu kommunizieren.“

„Slow Food“ fordert das Recht auf Genuss, auf Qualität und auf die saubere Zubereitung von regionalen Lebensmitteln, um sich ausgewogen zu ernähren. Und warum das alles? Um sich der regionalen Lebensmittel, dem Apfel von der nahe liegenden Plantage, dem Schweinekotelett vom nächsten Ökobauern, wieder bewusst zu werden.

Fast klingt Ahlerts Vortrag wie eine Abrechnung mit der konventionellen Landwirtschaft, mit denjenigen, die auf Massentierhaltung setzen. Doch tatsächlich wünsche er sich, dass konventionelle und bäuerliche Landwirtschaft voneinander lernen, betont Ahlert vor den Gästen.

In der industriellen Landwirtschaft gebe es nur noch zwei Nutztierlinien, zum Beispiel bei Hühnern. Die Folge: Tausende von Tieren desselben Erbguts, die in einer Stallung gehalten werden, seien anfälliger auf Viren. Deshalb setzt Ahlert auf Biodiversität. Sie zeichne sich durch artgerechte Tierhaltung und durch Artenvielfalt aus. Außerdem hänge das Ansehen einer Region stark davon ab, auf welche Art und Weise Tierhaltung betrieben und Lebensmittel produziert und verkauft werden. Schließlich sei es die regionale Küche, die kulturelle Wurzeln und Identität repräsentiere.

Anlass für den Informationsabend bot die geplante Schweinemastanlage für 1936 Tiere im Ortsteil Argestorf. Aus Degersen gebe es bereits eine Anfrage an die Region Hannover für den Bau einer Hühnerfarm. Die Ortsgruppen Naturschutzbund, Bündnis ’90/Die Grünen, SPD und Slow Food Hannover planen weitere Info-Abende zum Thema artgerechte Tierhaltung, Lebensmittelproduktion und Ernährung.





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